Martina Schrick hat sich bei den Löwen zur Jugend-Nationalspielerin entwickelt

Frankfurt – Mädchen, die in einer Jungen-Mannschaft Sport treiben, sind gewöhnlich etwas älter als die Jungs, um die körperlichen Defizite hinsichtlich von Kraft und Tempo auszugleichen. Nicht so Martina Schrick, sie ist die Jüngste im Team. Mit 13 Jahren ist die Eishockeyspielerin der Löwen Frankfurt eine feste Größe in der U15, die mit den besten norddeutschen Mannschaften um den Titel spielte. Und auch in der U16-Nationalmannschaft sind außer ihr nur ganz wenige Spielerinnen des Jahrgangs 2006 vertreten. „Sie fällt körperlich überhaupt nicht ab. Im Gegenteil. Sie ist der klassische Defensiv-Typ, der das körperbetonte Spiel bevorzugt und verschafft sich bei den gegnerischen Spielern schnell Respekt“, lobt Trainer Stanislav Fatyka die Verteidigerin. 
 
Eishockey sei ihre Welt, die große Leidenschaft. Schon als ganz kleines Mädchen schaute sie in ihrer Geburtsstadt Köln fasziniert bei vielen DEL-Spielen der Haie zu. Familien-Tradition, denn ihr Opa und ihr Vater waren Eishockeyspieler. Seitdem die Schricks 2012 nach Bad Homburg umgezogen sind, fehlte sie kaum bei einem Spiel der Löwen. Als ihr um drei Jahre jüngere Bruder Tommaso 2014 mit dem Eishockey anfing, folgte sie ihm in den Verein. Nach dem Schnuppertraining fand sie, dass dies nichts für sie sei, blieb lieber beim Geräteturnen. Doch recht schnell folgte das Umdenken. Plötzlich fand die damals Achtjährige das Eishockey cool, gehörte bald schon der Laufschultruppe der Löwen an. Das Spiel hat sie nach kürzester Zeit fasziniert. „Es ist unheimlich schnell, mannschaftsdienlich, man muss zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen. Und ohne Fleiß gibt’s keinen Preis“, zählt sie die Pluspunkte auf. 
 
„Sie spielt einen guten ersten Pass“
 
Am Fleiß mangelt es ihr wahrlich nicht. „Sie ist im Training für die Jungs ein Vorbild, arbeitet hart an sich, verbessert sich ständig. Man sieht ihr an, dass sie mit Herz spielt. Sie erobert viele Pucks, spielt einen guten ersten Pass“, sagt Trainer Fatyka über seine talentierte Spielerin, die auch in der kommenden Saison für die Löwen in der U15-Regionalliga A spielen wird. „Ich kann meinem Verein und meinem Trainer für die gute Ausbildung und die Motivation, jeden Tag aufs Neue wieder Eishockey spielen zu wollen und richtig Spaß dabei zu haben, nicht genug danken. Ohne die Löwen Frankfurt wäre ich heute keine Nationalspielerin“, so die für ihr Alter schon sehr reif wirkende Martina. 
 
Die Berufung in das deutsche U15-Mädchen-Team kam völlig unerwartet. Schrick spielte vor etwas mehr als einem Jahr mit der männlichen Hessenauswahl in Füssen, wo sie dem Trainer der Mädchen-Nationalmannschaft positiv auffiel. Im Oktober wurde sie zum Lehrgang der U16-Mädchen eingeladen und absolvierte zwei Matches gegen Tschechien. „Ich war schrecklich aufgeregt. Zum einen habe ich zuvor noch nie mit und gegen Mädchen gespielt, sondern immer nur mit der Jungen-Mannschaft der Löwen. Und dann die Tatsache, dass ich Deutschland vertrete. Nach einigen Wechseln habe ich mich aber beruhigt.“
 
Anscheinend hat sie einen guten Eindruck hinterlassen. Denn sie wurde beim nächsten Lehrgang im Dezember erneut eingeladen. Diesmal ging es im elsässischen Mulhouse gegen Gastgeber Frankreich. Diesmal fühlte sie sich nicht so einsam. Denn neben ihr war auch die zwei Jahre ältere Lola Liang dabei, die bei den Löwen in der U17-Bundesliga spielt. Beide Partien wurden 2:0 gewonnen. „Für den Sieger wurde danach die nationale Hymne gespielt. Das war ein unglaubliches emotionales Highlight“, war Martina von ihren Eindrücken überwältigt. Dass ihr der Coach hinterher eine gute Entwicklung attestierte und ihr mitteilte, dass auch die U18-Trainerin bereits ein Auge auf sie geworfen habe, freute sie natürlich sehr. 
 
Vier Mal Training nach der Schule
 
Aktuell hätte sie für Deutschland am Europapokal teilgenommen. Doch dieser Wettbewerb fiel wegen der Corona-Krise aus. So wie wahrscheinlich auch der für den Juli geplante Nationalmannschaftslehrgang in Füssen. Auch das Training findet derzeit nicht statt. Normalerweise geht Martina bis 13.10 Uhr, manchmal bis 15.20 Uhr in Bad Homburg zur Schule. Danach fahren sie die Eltern nach Frankfurt in die Eissporthalle. Vier Mal in der Woche wird auf dem Eis trainiert, zweimal stehen zusätzlich athletische Übungen an. Am Wochenende werden meistens zwei Spiele ausgetragen. 
 
„Im Moment muss ich mich individuell vorbereiten. Der Nationalmannschafttrainer hat uns per Video Trainingspläne mit auf den Weg gegeben. Wir sollen je nach Möglichkeiten Ausdauer, Kraft und Stocktechnik üben.“ Martina hat Glück: Familie Schrick hat einen großen Keller, in dem der Boden geglättet wurde. Ein Tor wurde aufgesteckt, auf das die Geschwister Martina und der in die U13 aufgestiegene Tomasso täglich schießen.
 
Einen strammen Schuss kann sie als Verteidigerin gut gebrauchen. Ihre Position liebt sie mittlerweile. Nicht nur, weil auf dieser bei den Löwen ihr Vorbild und Idol Leon Hüttl spielt. „Am Anfang war ich Stürmerin. Ich liebe aber die Verantwortung. Als Verteidigerin muss ich in erster Linie aufpassen, dass wir keine Gegentore kassieren. Aber ich kann auch viel für den Spielaufbau tun, die Stürmer mit einem guten Pass in Position bringen.“ Weil sie dies so gut und so mannschaftsdienlich tut, genießt sie innerhalb der Mannschaft auch viel Anerkennung. „Wir sind eine nette Mannschaft, ich bekomme von den Jungs viel Unterstützung. Solange es geht, will ich weiter in einem Teams mit den Jungs spielen.“ 
 
Eine Frauenmannschaft kommt aktuell nicht infrage. Die Löwen Frankfurt haben ihr Frauenteam aufgelöst. Und um woanders, vielleicht wie Lola Liang in Mannheim Frauen-Bundesliga zu spielen, muss sie erst noch ein Jahr älter werden. „Ob ich irgendwann den Schritt tue, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich sicher: Die Löwen Frankfurt haben für mich absolute Priorität.“
 
 
Michael löffler